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Strategie-Wochenende zum Thema Mercator 2020

Lernen braucht Zeit - Visionen für die Erziehung am Mercator Berufskolleg im Jahr 2020 Im Rahmen der Strategietagung „Mercator Berufskolleg 2020“ hat die Arbeitsgruppe „Erziehung“ (Dettmann, Stratkemper, Stiasny, Brett und Rückels) zukünftige Herausforderungen an schulische Erziehung diskutiert und Vorstellungen für ein ganzheitliches Erziehungskonzept entwickelt. Der folgende Text fasst die zentralen Ergebnisse der Gruppe zusammen.

Schule kompensiert Erziehungsdefizite


Wir erwarten, dass die erzieherischen Herausforderungen in Zukunft zunehmen werden und in einem höheren Maße als bisher unsere Arbeit bestimmen werden. Immer häufiger werden wir auf SchülerInnen treffen, die wir auf Grund ihrer sozialisatorischen Defizite als „schwierig“ empfinden. Medienverwahrlosung, unkritische Fixierung auf Äußerlichkeiten und Konsum,  aber auch die Nichtbeachtung grundlegender Umgangsformen sind nur einige Anzeiger dieser Entwicklung und erfordern ein kompensatorisches Eingreifen der Schule. Auch wenn wir uns wünschen, dass diesen Entwicklungen im Elternhaus begegnet wird, kommen wir als Schule nicht umhin, uns auf diese SchülerInnen einzustellen.  Nachhaltige Erziehung bedeutet in diesem Zusammenhang, die Zeit zu erhöhen, die sich die SchülerInnen in geordneten und entwicklungsfördernden Umwelten aufhalten. Gesundheitserziehung, Sport und die Entwicklung und die Förderung künstlerischer und musischer Potentiale müssen hier ebenso ihren Platz haben, wie praktische Maßnahmen zur Berufsorientierung und zur beruflichen Qualifizierung. Eine solche Schule, die nicht nur Wissen und kaufmännische Bildung vermitteln will, sondern sich als umfassender „Lebensort“ für SchülerInnen und LehrerInnen versteht, muss anders über die Zeit nachdenken, andere Rhythmen und Tagesabläufe entwickeln.
 


Wir wünschen uns die Handelsschule am MBK als Ganztagsschule mit einem verpflichtenden Nachmittagsprogramm. Nach einer gemeinsamen Mittagsmahlzeit bleibt Zeit für die Erledigung von Aufgaben, entweder unter Betreuung oder im Rahmen selbstständigen Lernens, Zeit für individuelle Förderung oder die Bearbeitung von Projekten. Anschließend folgt die Teilnahme an AGs aus den unterschiedlichsten Bereichen (z.B. Betriebserkundungen, unterschiedliche Sportarten, ECDL, Kochen, Schulband, Webportal, Selbstbehauptung, Theater,  …). Zertifikate und Urkunden, beispielsweise über sportliche Leistungen oder Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung werden zu „Pluspunkten“ in den Lebensläufen unserer SchülerInnen und erhöhen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Schließlich fördern Sie auch eine positive Identifikation mit der Schule.
Ob dieses Konzept auch für die anderen Vollzeitbildungsgänge umgesetzt werden sollte, muss diskutiert werden. Im Zusammentreffen von SchülerInnen aus unterschiedlichen Milieus und unterschiedlichster Herkunft sehen wir aber große Chancen für ein Miteinander in Toleranz und gegenseitigem Respekt.

Unterricht und Beratung
Auf der Ebene des Unterrichts sind kleine Klassen und Ko-Klassenleitungen im Jahr 2020 ebenso selbstverständlich, wie die Bildung kleiner Lehrerteams, die mit höheren Stundenzahlen in den Klassen arbeiten.  Das ist die Grundlage für vertrauensvolle und enge Lehrer-Schüler-Verhältnisse.  Ob bewusst ausgeübt oder unbewusst vorgelebt – als Vorbilder für unsere Schüler werden wir Lehrer immer wichtiger.  Unsere Haltung gegenüber Regeln, unsere Umgangsformen und die ihnen zu Grunde liegenden Wertvorstellungen sind die Maßstäbe, an denen wir uns messen lassen müssen und die wir umgekehrt von den SchülerInnen einfordern. Wenige klare Regeln, deren Einhaltung wir dann auch konsequent verfolgen, sind schon und bleiben hierbei Grundlage des alltäglichen Miteinanders.
Hilfe zur Persönlichkeitsentwicklung bedeutet dabei auch, Sekundärtugenden wie Ordnung und Sauberkeit zu vermitteln, aber auch Formen des höflichen und respektvollen Umgangs. Denn auch das macht unsere SchülerInnen fit für den Beruf und verschafft damit sinnvolle Zukunftsperspektiven. Die SchülerInnen kennen zu lernen, sie zu einer kritischen Reflexion ihrer Potentiale zu ermutigen, mit ihnen Zielorientierung und  Lebensperspektiven zu entwickeln und sie auf dem Weg zu mündigen und verantwortlichen Persönlichkeiten zu begleiten – das sind und bleiben selbstverständliche Grundlagen unseres pädagogischen Handelns. Regelmäßige Zeiten für individuelle Entwicklungsgespräche schaffen dabei Vertrauen und helfen, diesen Zielen näher zu kommen. Und da, wo wir in der Hilfe für unsere SchülerInnen nicht weiter kommen, erhalten wir professionelle Unterstützung von Sozialpädagogen und Schulpsychologen.

LehrerInnen stärken
Motivationsverlust, Schulfrust und Burnout – solchen krisenhaften Erfahrungen begegnet das MBK 2020 durch gezielte Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote für die Lehrkräfte. Wo Supervision und kollegiale Fallberatung, gegenseitige Hospitationen und offene Klassenraumtüren eine Selbstverständlichkeit sind, wo faire Kritik als Hilfe angenommen werden kann und wir Lehrer und Lehrerinnen uns nicht mehr als Einzelkämpfer im Schulalltag begreifen, da begegnen wir aktiv den steigenden Herausforderungen des Unterrichts- und Erziehungsalltags.

Uns ist bewusst, dass die hier vorgestellten Maßnahmen zuerst einmal die Situation im Vollzeitbereich reflektieren. Sicherlich benötigen wir auch für die Berufsschule Entwicklungsperspektiven, beispielsweise um dem immer häufiger festgestellten Phänomen mangelnden Gemeinschaftsgefühls zu begegnen. Uns ist auch bewusst, dass ein Teil der vorgestellten Maßnahmen nicht im Ermessensspielraum der Schule liegt, sondern vom politischen Willen und finanziellen Möglichkeiten abhängt. Andere Maßnahmen lassen sich leichter umsetzen und werden auch schon erfolgreich umgesetzt. Hier wollen wir anknüpfen, um Erziehung am MBK zukunftsweisend zu gestalten. 
 

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